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07.05.2019

SciFi-Visions Diskussionen zum Nachschauen

Lars Schmeink

Im vergangenen Jahr startete unser Kooperationsprojekt SciFiVisions (HCU/TUHH) mit einem Kurs an der HafenCity Universität (im Sommer) und an der Technischen Universität (im Winter). Dabei sind wir im Projekt davon ausgegangen, dass Science Fiction (SF) eine Betrachtung möglicher Zukunft mit einem Fokus auf technologische Innovationen ist. Wir haben in den Seminaren gemeinsam diskutiert, welche Technologien gesellschaftliche Veränderungen produzieren und was in Zukunft mit “uns” passieren wird. Als Grundlage haben wir Zukunftsvisionen im SF-Film betrachtet und mit deren Hilfe verschiedene Szenarien erörtert.

Um aber auch eine breitere Perspektive zu den Filmen zu erhalten und unterschiedlichste Expertisen einzufangen, haben wir von Oktober bis Dezember 2018 eine Filmreihe im Audimax der TUHH durchgeführt und alle 14 Tage einen Film zum Seminar vorgeführt. Im Anschluss an die jeweiligen Filme haben wir dann mit Expert*innen aus Hamburg über die Themen des jeweiligen Films diskutiert. Und damit die Diskussionen im Rahmen der HOOU jedem zugänglich sind, haben wir sie aufgezeichnet. Die Videos dieser wundervoll inspirierenden und innovativen Diskussionen sind nun online.

Elysium

Das erste Video zeigt die Diskussion zum Film Elysium von Neill Blomkamp, in dem die Gesellschaft der Zukunft stark gespalten ist. Während auf der Erde die Bevölkerung in Armut lebt und aufgrund von Automatisierung kaum noch Arbeit findet, lebt die Elite der Welt auf einer Orbitalstation in Saus und Braus. Der Film eröffnet damit Perspektiven zu Fragen der Gleichberechtigung, der gesellschaftlichen Gerechtigkeit, aber auch zur Arbeit der Zukunft.

Wir haben den Wirtschaftssoziologen Dr. Michael Florian von der Technischen Universität Hamburg eingeladen und mit ihm über die großen Fragen der Gesellschaft diskutiert: Arbeit, Ungleichheit, Gerechtigkeit…

The Circle

Das zweite Video zeigt die Diskussion zum Film The Circle von James Ponsoldt, der auf dem gleichnamigen Buch von Dave Eggers beruht. Protagonistin Mae steigt neu beim Social Media-Riesen Circle ein und erlebt einen raketenhaften Aufstieg durch die Ränge des Unternehmens. Dabei zeigt sich die Ambition der Firma, die nicht mehr will, als die Daten aller Menschen der Welt auszuwerten. Volle Transparenz im Leben, die politische Macht der Sozialen Medien oder auch die Frage nach dem Recht auf Privatsphäre werden im Film diskutiert.

Wir haben die Kommunikationswissenschaftlerin Lisa Merten vom Leibniz-Institut für Medienforschung und den Medienpädagogen Andreas Hedrich von der Universität Hamburg zum Gespräch eingeladen und mit ihnen über Gefahr und Chance der sozialen Medien gesprochen, über technologie-affine Generationen und die Macht der Konzerne.

I, Robot

Das dritte Video zeigt die Diskussion zum Film I, Robot von Alex Proyas, basierend auf den Kurzgeschichten von Isaac Asimov. In der Zukunft gehören Roboter zum Alltag der Menschen; sie sind Assistenten, Dienstboten oder Schwerstarbeiter. Der Film dreht sich um einen Mordfall, diskutiert aber “im Hintergrund” dennoch sehr aktuelle Fragen, wie etwa den Status von Robotern, die logische Unfehlbarkeit von KI oder auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt, der mit fortschreitender Automatisierung deutlich strapaziert wird.

Wir haben den Robotik-Forscher und wissenschaftlichen Mitarbeiter des Instituts für Regelungstechnik Patrick Göttsch von der Technischen Universität Hamburg eingeladen und mit ihm über KI, Roboter, Maschinenlernen und all die damit zusammenhängenden Ängste und Wünsche gesprochen.

Gattaca

Das vierte und letzte Video zeigt die Diskussion zum Film Gattaca von Andrew Niccol, in dem die Menschen in der Lage sind, durch genetische Manipulation den Menschen 2.0 zu schaffen. Der Film verhandelt einen Mordfall am Raumfahrtzentrum Gattaca, in den ein junger Mann verwickelt wird, der aufgrund seiner “natürlichen” Genetik zu einer neuen diskriminierten Schicht gehört. Die Chance auf einen Herzfehler macht ihn zu einem Menschen zweiter Klasse, der sich einen Platz in der Raumfahrt durch Täuschung hart erkämpfen muss. Im Film geht es entsprechend um die Frage nach der menschlichen Natur, nach der Hybris den Menschen verbessern zu wollen und den Konsequenzen einer Schaffung von Posthumanität.

Wir haben die Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Ingrid Schneider von der Universität Hamburg eingeladen und mit ihr über Technikfolgenabschätzung diskutiert. Welchen Konsequenzen hat die Genetik als Technologie? Was geschieht gesellschaftlich mit uns, wenn wir „bessere” Menschen erschaffen können? Alle Videos sind nun frei zugänglich und im Rahmen der HOOU nutzbar.

Material zur Veranstaltung

SciFiVisions: Weiterführende Links und ein OER-Booklet zum Lernarrangement SciFiVisions sind auf der Homepage des Projekts zu finden.

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