Zusammenfassung

Herzlich Willkommen bei Kulturmanagement innovativ KONKRET: Festivals!

In diesem Erklärvideo setzt sich Festivalbegründerin und Barbesitzerin Tina Heine mit der Frage auseinander, wie Festivals in Zukunft auf innovative Weise gestaltet werden können. Sie hinterfragt gängige Methoden und stellt vier Thesen auf, die zur praktischen Umsetzung inspirieren.

Übrigens: In der Podcastreihe **Kulturmanagement innovativ KONTAKT **im Gespräch mit Eva Hüster und Joyce Diedrich setzt Tina Heine sich noch ausführlicher mit dem Innovationsbegriff auseinander.

Eine Zusammenarbeit mit dem Institut für Kultur- und Medienmanagement (KMM) der *Hochschule für Musik und Theater Hamburg (HfMT) *und dem Multimediakontor Hamburg (MMKH)

Transkription Kulturmanagement innovativ konkret: Festivals Tina Heine

Hallo, mein Name ist Tina Heine, ich bin seit 2016 hier im Institut für Kulturmanagement und unterrichte seitdem Festivalmanagement und Audience Development. Jetzt haben wir das Jahr 2021. Bin seit fünf Jahren dabei und habe eigentlich keine Lust mehr, Festivalmanagement zu unterrichten. Was das heißt, das werde ich in den nächsten Minuten hier erzählen.

Seit 2010 beschäftige ich mich intensiv mit Festivals. Und warum „intensiv“? Weil ich selber eines gegründet habe in Hamburg das Elbjazz-Festival. Ein großes Jazzfestival mit 15 Bühnen anfangs, 50 Konzerten, zwei Tagen, vielen internationalen Acts und heute mittlerweile bis zu 25.000 BesucherInnen, die sich an diesen Tagen durch den Hafen treiben lassen. Dieses Festival habe ich selber als geschäftsführende Gesellschafterin und auch Programmleiterin geführt und gegründet. Und habe 2015 das Festival verlassen, bin nach Salzburg gegangen, veranstalte dort ein weiteres Jazzfestival, das nennt sich Jazz & the City und ist ein Festival, das an fünf Tagen im Oktober eigentlich die ganze Stadt bespielt. Teilweise auf über 30 Bühnen, auch dort große Acts und kleine Acts, internationale Besucher, lokale Akteure. Und seit 2019 bin ich berufen als Intendantin für ein neues Festival für zeitgenössische Kunst im Salzburger Land. Da geht es darum, zeitgenössische Kunst aufs Land zu bringen.

Das heißt, in Summe, glaube ich, habe ich jetzt 12, 13, 14 Festivals produziert, auch kleine ‚Zwischenfestivals‘ mal im freien Auftrag, unter anderem für die Stiftung historische Museen, wo es um maritime Kultur im Hafen ging. Und man kann sich denken, dass so viele Festivals und so viel Erfahrung auch irgendetwas mit einem machen. Und ich bin an einem Punkt angekommen, wo ich weg möchte, hier am KMM euch allen beizubringen, wie man ein Festival produziert, wie man eine Kulturmarke entwickelt, wie man Budget schreibt, wie man Sponsoren gewinnt, wie man ein Produktionsteam aufstellt. Ich bin weggekommen davon, die reinen Managementaufgaben in erster Linie zu denken und euch zu vermitteln, sondern ich habe selber entdeckt, welche Potenziale eigentlich stecken über all die Jahre in meiner Arbeit in Festivals und Kulturfestivals und welche Potenziale auch stecken, wenn man in einer größeren Funktion in einer Stadt mitgestalten und mitwirken kann. Und was das heißt, das werde ich jetzt an vier kurzen Thesen, kann man sagen, oder Beobachtungen von mir darstellen.

KLEINER, LANGSAMER, NÄHER, ANSTATT GRÖSSER, SCHNELLER, WEITER Das erste vor allen Dingen, ich habe es ja so ein bisschen skizziert, sind die Größen. Ich habe jetzt häufig aufgezählt: 30 Bühnen, 300 Künstler, fünf Tage, 20.000 Besucher. Und habe irgendwie das Gefühl, wenn ich im Austausch auch mit meinem Festivalkollegen und -kolleginnen bin, dass wir alle dabei sind, immer größer, mehr Besucher, mehr Orte, noch innovativer, noch mehr Weltpremieren… Und dass wir alle, ohne dass wir es so richtig beobachten, eigentlich in eine Wettbewerbsmaschine und in eine Wachstumsmaschine und Spirale gekommen sind, mit wenig Möglichkeiten und wenig Räumen eigentlich darüber nachzudenken, warum wir diese ganzen Sachen eigentlich tun. Gerade Corona hat natürlich auch bei vielen von uns angeregt, darüber nachzudenken, was wir eigentlich machen, wie wirksam wir sind mit dem, was wir tun, wie wir Künstler durch die Welt schicken, teilweise in Back-to-Back-Touren, wie man sagt – heute hier, morgen Paris, übermorgen Tokio. Und gerade in der Stadt Salzburg, in der ich ja vielleicht ein bisschen mehr Raum hatte und Zeit hatte zu schauen, die Stadt zu beobachten, habe ich angefangen schon vor ein paar Jahren, das Festival, das Jazz-Festival dort, ein bisschen anders zu denken. Und hab gesagt: Was wäre eigentlich, wenn die Künstler mehr Zeit und Raum hätten hier in diesem Festival, um wirklich zu schauen, in was für einer Stadt sie sind und was so ein fünftägiges Festival mit einer Stadt macht? Warum gerade in Salzburg? Weil ich natürlich nach Salzburg gekommen bin mit dem Wissen und Glauben, dass ich in einer barocken Mozart-Stadt lande, die bestimmt ist durch die Festspiele und jetzt aufgefordert bin, ein fünftägiges Jazz-Festival zu machen, was eine bissen andere Stimmung, Atmosphäre in die Stadt bringen soll, andere Menschen vielleicht auf Salzburg aufmerksam machen soll. Unter diesem Namen trägt Jazz & the City, den ich ziemlich sperrig finde und auf den ich eigentlich gar keine Lust hatte und dachte: Wenn ich schon diesen Namen Jazz & the City, den ich jetzt schon kaum ohne Stolpern aussprechen kann, als Festivaltitel verwende, warum frage ich mich dann nicht: Was ist das eigentlich, Jazz und die Stadt? Was macht der Jazz mit der Stadt? Und, um das zu denken, braucht es Raum und braucht es Zeit und es braucht Langsamkeit. Kann ich da reinkommen und 50 Bands buchen und danach wieder abhauen? Das hat mir irgendwann nicht mehr gereicht. Also habe ich viel mich umgeschaut und habe geschaut: Welche Akteure gibt es in der Stadt? Was passiert schon mit Jazz in dieser Stadt? Welche anderen freien Subkultur-Szenen gibt es in diese Stadt? Welche Akteure tun schon was? Was wünschen sich die Menschen? Wie leben sie die Menschen dort? Wie benutzen sie eigentlich ihre Altstadt, die von den Touristen ja jeden Sommer und auch zur Weihnachtszeit, wenn es Adventssingen ist, überschwemmt wird? Wo sind eigentlich die Räume für die BewohnerInnen? Und welche Räume erfahren die BesucherInnen? Und da ich das Glück habe, dass ich im Bereich der Improvisation arbeite oder mit Künstlern arbeite, die vom Improvisieren leben, habe ich natürlich auch die Möglichkeit, viel flexibler mit Bühnen und Räumen umzugehen. Und habe einfach erkannt, dass wir mit Festivals die Möglichkeit haben, in einem relativ kompakten Zeitraum eine große Aufmerksamkeitsfläche, die wir haben: Die Presse schaut auf einen, viele Künstler sind da, viele wichtige Akteure in der Stadt, in der Regel kommt dann der Bürgermeister und dann kommt dann der Landeshauptmann – so heißen die da in Salzburg. Und alle sind da und schauen und beobachten und hören dir auch zu und sie hören auch den Künstlern und Künstlerinnen zu. Und reicht es eigentlich, wenn wir nur kommen, abends unsere Konzerte spielen und weiterfahren? Ist da nicht viel mehr Potenzial, diese Zeit zu nutzen, auf Festivals voneinander zu lernen, in Austausch zu kommen, nicht nur die Künstler mit anderen Künstlerinnen, sondern auch die Künstlerinnen mit den BesucherInnen, mit Institutionen und mit Akteuren. Insofern ist eine meiner ersten Thesen: Kleiner, langsamer, näher, anstatt größer, schneller, weiter. Das ist nicht meine These, sondern das ist einfach ein Zitat von Leopold Kohr, der viel über das menschliche Maß geschrieben hat. Und ich glaube, wir brauchen genau das in der Kultur und vielleicht ist das auch jetzt der richtige Zeitpunkt dafür, damit anders umzugehen.

WIR BRAUCHEN FLEXIBLERE STRUKTUREN Deswegen habe ich mein Seminar umgetauft in Kommunikations-Raum-Festival und möchte gerne mehr Aufmerksamkeit darauf lenken, wie wir diese Festivals als Kommunikationsräume nutzen. Warum? Weil ich: a) glaube, dass wir viel flexiblere Strukturen brauchen in der Zukunft, wir brauchen andere Formen der Zusammenarbeit, wir müssen raus aus diesen Routinen, die einfach in dieser sich ständig wandelnden Zeit nicht mehr funktionieren. Also ein Teil dieser Routinen – wie wir Konzerte veranstalten, wie wir Theatervorführungen veranstalten, wie die Häuser gebaut sind, wie die Publikumsansprache ist – die sind so lange eingefahren, haben aber nichts mehr mit der Gesellschaft zu tun, in der wir jetzt leben. Die sehr viel diverser geworden ist, die sehr viel bunter geworden ist, die durchdrungen ist auch von Menschen, die aus anderen Kulturkreisen kommen und die Kulturorte, in den Ländern, wo sie herkommen, ganz anders erfahren und eben als ganz andere Kulturorte nehmen. Dieses Darüber-Nachzudenken und Sich-zu-Begegnen und Festivals nicht als reine Abspielapparate zu verstehen, sondern als denkende Orte, als offene Werkstätten, in denen wir vielleicht eine Mischung kreieren können, wo wir einerseits performen, aber andererseits… Ich habe da immer so ein Bild von meinem Festival. Das ist wie ein großer Ballon. Der ist voll mit Wasser. Und dieser mit Wasser gefüllte Ballon der schwebt so oben über dem Festival und das ist das, was da abends, so wie wir es kennen, in den Konzerthäusern, in den Theatern, in den Kirchen – ich habe viele unterschiedliche Innenräume, in denen ich spiele –, in denen das – sagen wir mal – ‚reguläre Programm‘ läuft. Und ich habe immer mehr das Bild entwickelt davon, dass wir so kleine Löcher pieksen in diesen Ballon und das, was da oben ist, rauströpfelt in die Stadt und in die Stadt fließt. Und sich verbindet mit dem, was in der Stadt ist. Dass man das, was man abends spürt, tagsüber auch erlebt. Die Musiker und Musikerinnen, die in den Straßencafés sitzen, Leute, die auf Stadtspaziergängen gemeinsam mit MusikerInnen die Räume erkundigen, auf unentdeckten Pfaden BesucherInnen mitnehmen, ins Gespräch kommen. Bei diesem Raustrippeln in die Stadt auch sich dort mit Akteuren aus der Stadt zu verbinden, die aus unterschiedlichen Handlungsfeldern kommen. Miteinander freispielend ins Gespräch. Es gibt da ein Format beispielsweise, das heißt bei mir „Out of the box“. Da bringe ich KünstlerInnen aus den unterschiedlichen Ländern, die dort sind, meistens schon auch welche, die mich ein bisschen kennen, wo ich weiß, wie sie so ticken, was sie sonst so treibt, in einer zweitätigen Denkwerkstatt im Rahmen des Festivals zusammen mit StadtplanerInnen, mit Architekten, mit Menschen aus Verwaltung, Politik, auch SozialarbeiterInnen und KünstlerInnen vor Ort. In diesen Denkwerkstätten gibt es dann Impulse, indem wir darüber nachdenken, wie wir eigentlich künstlerisch Räume und Zeit und vor allem diese großen Kommunikationsräume Festivals nutzen können, um voneinander zu lernen. Vor allem die großen Mega-Themen, die uns bewegen, die bewegen nicht nur die Menschen in Salzburg, sondern auch in New York und im Senegal, in Australien, in England, you name it, und das geht um die großen Themen, wie wir in den Städten leben wollen und wie gerade auch die Künstler und Künstlerinnen verdrängt werden aus den Innenräumen neben natürlich auch der Mittelschicht, die sich die Innenstädte nicht mehr leisten kann. Das sind Themen, die jeder in seinen Städten sammelt und in seinen Städten Erfahrungen macht, wie man damit umgehen kann und welche Strategien es gibt. Und wenn wir es schaffen, wie im Jazz frei improvisierend mit unterschiedlichen Akteuren da gemeinsam auf eine Bühne zu gehen und ins Zusammenspiel zu kommen, dann haben wir viel geschafft. Und ich glaube, dass wir gemeinsam auch mit unseren Stakeholdern, sagen wir, selbst mit Stadt, mit Land, den Fördergebern, den Geldgebern, aber auch selbst Sponsoren über diese Themen ins Gespräch kommen können. Ich glaube, dass es ein großes Interesse gibt, auch von Sponsoren vielleicht über eine Logo-Einbindung hinaus, vielleicht auch für bestimmte Themen in Führung zu gehen.

DIE KREATIVITÄT NICHT NUR DEN KREATIVEN ÜBERLASSEN Ich habe das Gefühl, dass wir eigentlich immer erwarten, dass die Künstler und Künstlerinnen und die Antwort geben oder sagen wir, mittlerweile sind es die Kreativen aus der Start-Up-Szene, die sich neue Dinge überlegen, wie wir miteinander umgehen können, Apps entwickeln können, Formate des anderen Zusammenlebens denken sollen und vortragen sollen. Aber ich bin überzeugt davon, dass wir viel mehr all die anderen, die per se vielleicht nicht glauben, dass sie die Kreativen sind oder dass es ihr Aufgabe ist, kreativ zu sein, in solchen gemeinsamen Werkstätten zur Zusammenarbeit zu ermuntern, ihre eigene Kreativität und Flexibilität zu entdecken. Also, was meine ich damit konkret? Ich meine: Wie tragen wir Kreativität in Verwaltung? Wie tragen wir Kreativität in große Bildungseinrichtungen, also Universitäten, Apparate, Container, die total statisch sind und eigentlich kaum reagieren können auf das, was jetzt die Zeit von uns verlangt? Wie können wir Formate schaffen, dass wir über Workshops und zusammen Denken eigentlich die Lust am gemeinsamen Kreativsein auch in andere Systeme tragen können? Wenn wir das nicht haben, werden wir das nicht schaffen. Es reicht nicht, dass wir ein Festival oder eine auffüllende Theaterinszenierung machen und danach gehen die Leute raus und – wie wir immer so schön sagen: Die Kultur und die Kunst sind die Verhandlungsräume der Gesellschaft. Ich sehe das nicht. Ich sehe die Leute nicht in den Pausen, in der Opernpause mit einem Weinglas stehen und überlegen, wie sie jetzt die Welt verändern. Das passiert dort nicht. Es passiert nicht. Und deswegen glaube ich, wenn wir diese Behauptung weiter aufstehen lassen wollen oder stehen lassen wollen, dass wir mit Kunst und Kultur auch Treiber sind für Veränderungsprozesse, da müssen wir neue Wege finden, wie wir wirklich in echten Austausch kommen. Und daher müssen wir Festivals schaffen, die zwischen den Akteuren auf vielleicht spielvolle und lustvolle Art und Weise schaffen, Interaktion herzustellen.

WIR BRAUCHEN KOMPLIZ:INNEN Es gibt ein wunderbares Buch von Gesa Ziemer, die darüber auch geschrieben hat, die sozusagen das, was in der Kriminologie – also Komplizen, wir verbinden das ja immer mit Verbrechern und Gangstern –, wie man das übersetzten kann, diese Form der Zusammenarbeit in andere Räume. Und ich fand das sehr spannend und habe gedacht: Es geht darum – ich sage jetzt mal, wenn man so eine Bank überfallen will –, dann geht es ja darum, mit ein paar Leuten, mit denen man sich zusammentut, von denen man weiß, dass jeder von denen irgendetwas richtig gut kann. Ich sage jetzt mal, der eine kann super gut Auto fahren und sehr schnell, der andere steht Schmiere, der dritte ist super im Tresorknacken. Und ich tun sich zusammen in einer gemeinsamen Sache, vertrauen sich und müssen sich blind vertrauen, ihre Kompetenzen bündeln, und gehen für irgendeine Aktion zusammen. Danach wird die Beute geteilt und sie gehen wieder auseinander. Es geht hier gar nicht immer um langjährige Zusammenarbeit, um die Institutionalisierung von Ideen und Konzepten, sondern es geht darum, so einen Partner in Crime zu finden, mit dem man mal über eine rote Linie geht. Also das heißt jetzt nicht, dass ich euch auffordern will zu schauen, wo ihr wildenstens Gesetze brechen könnt, sondern zu schauen: Mit wem kann man so was aufbauen? Mit wem kann man zusammensitzen, was aushecken, was denken? Ein bisschen weiterdenken als das, was es bisher schon gibt. Wie baut man das auf? Welche Leute holt man sich da zusammen? Und wie entsteht so was eigentlich? Und das entsteht natürlich nur dann, wenn ich selbst das Gefühl habe: Ich brauche Komplizen für irgendwas. Also dieses Insichreinhören und zu schauen: Wofür mache ich das hier eigentlich alles? Ich studiere Kulturmanagement, ich habe vielleicht vorher Theaterwissenschaften, Musikwissenschaften oder ich habe vielleicht BWL gemacht und habe gedacht: Ich möchte in dieses Handlungsfeld ‚Kultur‘ und wenn ich es schaffe, bei euch vielleicht den Samen zu legen, obwohl das wahrscheinlich auch schon einige von euch haben, darüber nachzudenken: Schiebt mal so ein bisschen dieses Wort „Management“ aus dem Kopf und überlegt, was ihr mit euren Kompetenzen und eurem Wissen und den Möglichkeiten großer Kommunikationsräume, Festivals, aber es können wahrscheinlich auch Häuser sein, wenn man in irgendwelchen Häusern arbeitet, obwohl die meisten statischer sind. Wie kann man dort vielleicht in Führung gehen für Themen, die diese Gesellschaft braucht? In Führung gehen nicht im Sinne von, dass ich überall Direktor, Intendant oder leitende Funktionen haben muss, aber: Wie gehe ich in Führung für Themen, wie nehme ich andere mit? Das findet man dann heraus, wenn man weiß,ob es überhaupt eigentlich irgendwelche Leidenschaften gibt, für die man brennt, die in einem stecken, Themen, die einen bewegen. Vielleicht auch völlig außerhalb der Kultur, vielleicht beschäftigt man sich mit dem Thema Ernährung oder mit dem Thema – keine Ahnung – gerecht Landwirtschaft oder Gesundheit. Und ist durch ein persönliches Erlebnis davon bewegt und weiß wirklich, dass das etwas ist, für das man sich gerne einsetzen würde und dass man weiß, man braucht Leute, mit denen man das tun kann und Räume, in denen man das ausspielen kann.

Also das ist das, was ich glaube, was wir uns als KulturmanagerInnen fragen sollten: Wo können wir Funktionen einnehmen? Dass wir Brücken bauen, dass wir Zwischenräume ermöglichen, in denen Menschen anders aufeinandertreffen als gewohnt. Und ich sehe eines – das noch als Letztes –; viele neue Handlungsfelder für uns, die wir vielleicht bisher so klassisch in diesem Studiengang gar nicht so sehr berücksichtigt haben. Die Städte, die Innenstädte, die Regionen – die brauchen Leute wie uns, die da reingehen können und die die Themen Stadtentwicklung, Räume neu aufschließen, neu miteinander agieren. Wie sind die Plätze und die Orte beschaffen, an denen die Menschen wirklich ins gemeinsame Handeln kommen? Welche Rolle kann dabei Kunst und Kultur spielen? Und wie kann man sich an diesen Orten einsetzen? Und wie kann man sich in Verbindung bringen? Das sind die Fragen, die mich beschäftigen. Und das ist meine offene Denkwerkstatt mit euch, weil: Abgeschlossen ist das noch lange nicht.

Transkribiert von: Nora Ebneth

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Inhalt

Kulturmanagement innovativ KONKRET: Festivals

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Veröffentlicht am March 24, 2022

Deutsch
Tina Heine, Eva Hüster, Joyce Diedrich, Dr. Robert Peper, Prof. Dr. Martin Zierold

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